Im Gästeblog: Ravensburg 02.12.18

Am gestrigen Sonntag stand zur Abwechslung mal ein besonderes Spiel an. Auch wenn wir den Tabellenführer zu Gast hatten ist damit nicht die vielfach gerne verwendete Bewerbungs-Floskel „Topspiel“ gemeint, sondern dieses Aufeinandertreffen hatte eine Vorgeschichte, nicht auf dem Eis, sondern ‚Drumherum‘, also wie geschaffen für den Gästeblog. Doch dazu später mehr.

Mit den Towerstars hatten wir gestern den souveränen Tabellenführer zu Gast. Die Fans aus Oberschwaben konnten ihr Glück kaum fassen, hat man doch jahrelang immer fleißig Kohle verbrannt und nur mäßigen bis gar keinen Erfolg damit verzeichnen können. Ergo schwebt man diese Saison auf Wolke 7, da konnten auch die beiden (unglücklichen) Heimniederlagen in den letzten Tagen wenig dran ändern.

Dementsprechend war man auf einen gut gefüllten Gästesektor vorbereitet. Denn wenn es in der Puzzlestadt läuft, dann geht auch auswärts was. 90 Minuten vor Spielbeginn hielten sich daher auch schon einige Türmchen im Hallenumfeld auf. Als man dann aber die Info bekam, dass der geplante Fanbus aufgrund von nur sieben (7!!) Anmeldungen abgesagt werden musste, staunte man nicht schlecht.

Dennoch füllte sich der halbseitig abgesperrte J-Block sehr ordentlich, mit ein paar verstreuten Fans in den anderen Bereichen der Halle konnten wir insgesamt 150 Gäste zählen, ein wirklich guter Wert, erst recht in Relation zu den lächerlichen sieben Anmeldungen für den Fanbus…

Im unteren Bereich nistete sich die „B1-Crew“ ein, teils direkt vom Sonntag-Spiel in der 2. Fußball-Bundesliga zwischen Sandhausen und Heidenheim angereist. Bekanntlich pflegen die Herrschaften ja eine Freundschaft zur Fanszene des 1. FC Heidenheim. Mit einer Abordnung „vo d’r Alb ra“ wurde fest gerechnet, aber dieser Kelch ging an uns(erem Sicherheitsdienst) vorüber, da es wohl in Sandhausen noch Probleme nach dem Spiel gab.

Man startete mit zwei mächtigen Trommel, drei Schwenkfahnen und einem passablen Support ins Spiel und abermals lagen wir mit 0:1 hinten, was der Anfeuerung der Gäste noch etwas Nährboden gab. Wobei man schon hier merkte, dass die Aktiven wirklich wenige der weiter oben stehenden Gästefans miteinbeziehen konnten.

Das machte sich dann im zweiten Drittel noch deutlicher bemerkbar, als die Steelers das Spiel binnen zweieinhalb Minuten drehen konnten. Nun supportete eigentlich nur der 20-köpfige Haufen im unteren Viertel des Blocks und dementsprechend war nicht mehr viel zu vernehmen und abgesehen von einer kleinen Schalparade auch nicht viel zu sehen.

Erst gegen Ende des im letzten Abschnitt sehr turbulenten Spiels konnten sich die Gäste wieder bemerkbar machen, als sie drei Tore in Folge bejubeln durften. Nach dem gewonnenen Penalty-Schießen noch kurz die Mannschaft beklatscht und schon ging es ziemlich schnell und zielstrebig unter reichlich Begleitung von Cops und Ordnern zu den Fahrzeugen.

Tja, und eigentlich würde die Story eines insgesamt unspektakulären Auftritts hier enden, wäre da nicht die eingangs erwähnte Vorgeschichte. Dazu muss aber etwas ausgeholt werden. Es gab vor einigen Jahren Zeiten, da verstanden sich die jüngeren Aktiven der beiden heutigen Vereine ziemlich gut. Ja, man konnte gar von einer Freundschaft sprechen, auch wenn die älteren Semester von solchen Freundschaften (innerhalb einer Liga) nie wirklich viel hielten. Ja, und so war dann auch diese Freundschaft irgendwann beendet und schlug in den letzten beiden Jahren immer mehr in Ablehnung um.

Den vorläufigen Höhepunkt dieser Ablehnung erfuhr am 20.11. beim Dienstag-Spiel in Ravensburg eine dreiköpfige Bietigheimer Autobesatzung, die, nachdem sie von den Sheriffs und Ordnern zum Fahrzeug begleitet wurde, anschließend – bereits im Auto sitzend – von Einheimischen in doppelter Anzahl angegriffen wurde, und dabei auch das Fahrzeug mit Fußtritten malträtiert wurde! Erst als die Ordnungshüter zurück zum Tatort kamen, ließen diese Einzeller von ihren Gegnern ab und flüchteten in der Dunkelheit.

Was muss eigentlich im Oberstübchen alles kaputt sein, wenn man sich nach Spielende hinter geparkten Autos versteckt, und sich dann zu so einer Scheiße hinreißen lässt? Jetzt dürften auch einige, die gestern Abend das Spruchband in der heimischen Kurve mit dem Text „wir wissen auch wo eure Autos stehen“ nicht verstanden haben, im Bilde sein. Und siehe da, gleich machte sich ne Handvoll von der B1-Crew schnellen Fußes auf zu ihren Fahrzeugen, wo sie dann lediglich jeweils einen Flyer unter dem Scheibenwischer mit einem großen „HIER!“ vorfanden. Aber eben KEINE Beschädigungen!!

Viele mögen denken „was für ein Kindergarten“. Kann man so sehen, muss man aber nicht! Jeder war mal jung, aber nicht jeder gleich dumm. Und deswegen bin ich verdammt stolz auf unsere jüngere Generation, dass sie nicht einfach Gleiches mit Gleichem vergolten haben! Vielleicht ist es auch ganz gut, dass in der hiesigen aktiven Szene noch einige ältere Semester mit dabei sind und auch gewisse Werte weiter vermittelt werden. Das scheint – wie man am Beispiel Ravensburg sieht – nicht überall der Fall zu sein, und man fällt in regelmäßigen Abständen mit scheiß Aktionen negativ auf, und schafft sich Land auf, Land ab immer mehr „Freunde“! Wie eben auch in der eigenen Halle…

Da verkommt der in Oberschwaben bei jeder Gelegenheit verwendete Spruch „Alle gemeinsam – keiner allein“ zu einer einzigen Farce. Denn dieses Motto, was in funktionierenden Szenen nicht nur geschrieben, sondern auch gelebt wird, sollte man sich in „RAV“ mal verinnerlichen, dann klappt es vielleicht auch wieder mit richtigem Zusammenhalt und gemeinsamen Busfahrten. Denn wer will schon mit Leuten was zu tun haben, die sinnlos und mutwillig fremdes Eigentum beschädigen?! Denkt mal drüber nach!! (IPA)

2018 [Ice-Hawks Bietigheim]