Im Gästeblog: Landshut 27.09.19

Am gestrigen Abend kreuzten die Steelers und der EV Landshut erstmals nach 4 1/2 Jahren wieder die Schläger in einem Punktspiel. Für unser ‚Eventpublik‘ lediglich ein Aufsteiger, dem man keine besondere Beachtung schenken muss (dementsprechend spärlich gefüllt war die Halle auch), ruft der niederbayerische Traditionsverein dagegen in der hiesigen Fanszene und bei den alten Hasen doch deutlich mehr Interesse hervor.

Denn nicht nur auf dem Eis wurden vor dem Zwangsabstieg der damaligen Landshut Cannibals nach der Saison 2014/2015 wegen finanzieller Schieflage viele Schlachten ausgetragen, auch auf den Rängen verbindet Landshut und Bietigheim eine innige Rivalität, und das trotz über 300 km Entfernung zwischen Enz und Isar.

Der überraschende Aufstieg in die DEL2 nach vier Jahren in der Oberliga Süd hat in der Dreihelmenstadt einen neuerlichen Eishockeyboom ausgelöst. Zwar müssen die EVL-Fans wegen anhaltender Sanierungsarbeiten des Eisstadions noch drei Wochen auf das erste Heimspiel warten, was sie aber nicht daran hinderte, äußerst zahlreich zu den ersten beiden Auswärtsspielen nach Dresden und Heilbronn zu reisen, und dort jeweils für einen sehr gelungenen Gäste-Support sorgten.

Das steigerte in den heimischen vier Wänden natürlich die Vorfreude auf den gestrigen Abend; und um es gleich vorwegzunehmen: Man wurde von Seiten der Gäste absolut nicht enttäuscht! Während die älteren Semester mit einem Reisebus den Weg nach Bietigheim antraten, zog es die aktive Fanszene vor, mit mehreren 9er-Bussen die Strecke zu bewältigen, und landeten prompt mit Material vor dem Haupteingang. Tja, in vier Spielzeiten Abstinenz hat sich bei uns auch einiges verändert. Denn mittlerweile müssen Gästefans eben den separaten Nordeingang nutzen, so sie denn als Gäste erkennbar sind, auch wenn sie nur zu zweit auflaufen, da kennt das geschulte Ordnerauge kein Pardon…

Die untere Abmauerung am Gästeblock wurde mit einem langen, dreiteiligen rotem Banner mit dem Aufdruck „Eislaufverein Landshut e.V.“ verziert, darüber kamen die beiden klein gehaltenen Gruppenbanner mit dem Aufdruck „CS LA“ und „RC LA“, was für „Commando Süd“ und „Red Connection“ Landshut steht. Zudem wurde dort auch noch eine Trommel angebracht.

Auffallend war, dass die Aktiven die untersten Stufen im Block entgegen vieler anderer Gruppen frei ließen und sich weiter oben (und somit kompakter) aufstellten, lediglich der Trommler und der Vorsänger blieben am untersten Wellenbrecher. Gar nicht so doof, denn somit konnten die Gäste ihre gestrige Stimmgewalt deutlich besser zur Geltung bringen, weil man schlicht und einfach dadurch über das Plexiglas drüber sang und nicht dagegen!

Insgesamt fanden sich knapp 150 Landshuter im Gästeblock ein, eine richtig starke Anzahl! Bleibt natürlich abzuwarten, ob dieser Boom anhält, oder die Euphorie irgendwann dem Ligaalltag weicht. Aber das soll den Auftritt nicht schmälern, quantitativ war das eine gute Hausnummer! Resümierend hört man aus Landshut, dass die Oberligazeit der gesamten Fanszene sehr gut getan hatte, viele auf den Geschmack gekommen sind auswärts zu fahren, was natürlich auch an den kürzen Distanzen in Oberliga lag, aber eben auch in den KO-Spielen im Norden (Rostock, Halle, Hannover und Tilburg) war man jeweils zahlenmäßig sehr stark vertreten.

Und auch akustisch war das über weite Strecken des Spiels eine gute Vorstellung, da gibt es wenig auszusetzen. Der Haufen machte sich über die 65 Minuten oftmals lautstark in der Halle bemerkbar und der Support riss auch nie gänzlich über einen längeren Zeitraum ab. Lediglich in Sachen Optik war noch viel Luft nach oben, denn außer ca. 20 kleinen Schwenkfähnchen zum Einlauf und einer Schalparade nach Spielende wurde dahingehend nicht viel geboten. Aber das ist bei der gestrigen Darbietung schon meckern auf hohem Niveau.

Bleibt – wie bereits erwähnt – abzuwarten, ob die große Motivation, das Team auch in der Fremde zu unterstützen, bei den EVL-Fans anhält. Wünschenswert wäre es und würde sicherlich auch der Liga gut tun. Dass das aber nicht selbstverständlich ist, konnte man am Beispiel Deggendorfer SC, dem letztjährigen Aufsteiger, feststellen. Im ersten Spiel bei uns noch mit respektablen 120 Leuten angereist, hatte es zum zweiten Gastspiel gerade mal eine Autobesatzung ins Ellental geschafft. Aber dieses „Waterloo“ sollte den Isarstädtern bei insgesamt zwölf Fanclubs und Gruppierungen eher nicht widerfahren. (IPA)

2019 [Ice-Hawks Bietigheim]