Im Gästeblog: Kaufbeuren 21.09.18

Zum zweiten Heimspiel der noch jungen Punktrunde empfingen wir am gestrigen Abend des ESV aus Kaufbeuren. Ähnlich, wie vor einer Woche gegen den Aufsteiger aus Deggendorf, werden die Joker aus dem Ostallgäu von einer Euphoriewelle getragen, was bereits zu Beginn der letzten Spielzeit mit der Eröffnung der neuen Eishalle begann, und sich sportlich über die gesamte Spielzeit fortsetzte und den Höhepunkt darin fand, dass man nur hauchdünn die Finalteilnahme verpasste.

Aber nicht nur sportlich läuft es an der Wertach rund. Die Zuschauerzahl konnte in der Kopie von Weißwasser’s Eishalle mit gut 2.500 im Schnitt in der Premierensaison deutlich zum altehrwürdigen Stadion gesteigert werden. Und der Boom geht noch weiter, denn zu dieser Spielzeit konnte der ESVK mit bisher über 1.400 Dauerkarten gut 400 neue Abo’s mehr verkaufen. Aber auch die Fanszene der Rot-Gelben hat sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt und zählt für mich zu den stärksten in der Liga.

Dies liegt mit Sicherheit auch daran, dass sich den Jugendlichen in der Region kaum sportliche Alternativen bieten. Bis zum nächsten Fußball-Bundesligisten nach Augsburg sind es gut 70 km, in die bayrische Landeshauptstadt München mit ihrem vielfältigen Angebot sogar knapp 100 km. Aber es liegt eben auch daran, dass mit der „Jokeria“ die führende Gruppierung in Kaufbeuren einfach einen – soweit für Außenstehende beurteilbar – guten Job macht, egal ob auswärts oder daheim!

Dementsprechend hatte man – auch aufgrund der starken Auftritten bei den letzten Gastspielen im Ellental – gestern Abend eine hohe Erwartungshaltung. Der geplante Fanbus von offizieller Seite wurde zwar mangels Masse abgesagt, was aber nicht unbedingt heißt, dass nicht doch ein Bus der Szene kommt. Aber auch das war leider nicht der Fall. Tja, nicht nur die Vereine haben am Anfang der Saison das Problem, ihre Plätze an den interessierten Fan zu bringen, bei den Auswärtsfahrten sieht das an vielen Standorten nicht anders aus…

Somit war der Haufen, der die knapp 230 km nach Bietigheim in Angriff nahm, überschaubarer als erwartet, fiel mit 60 Leuten aber dennoch ordentlich aus. Außer der erwähnten „Jokeria“ mitsamt Nachwuchsgruppe „Buron Boys“ konnte noch der recht junge Fanclub „Rot Gelb Buronia“ ausgemacht werden, was sich auch in einer gut beflaggten Balustrade widerspiegelte.

Neben den zuvor genannten Zaunfahnen hatten die Gästefans zudem eine Trommel und acht Schwenkfahnen im Gepäck, welche zum Einlauf der Teams präsentiert wurden. Auch über die gesamte Spielzeit hinweg kam die ein oder andere Fahne immer wieder mal zum Einsatz.

Dass man selbst mit überschaubarer Anzahl Mitgereister und trotz permanenten Rückstand (also genau das Gegenteil vom letzten Gastspiel bei uns…) sich achtbar aus der Affäre ziehen kann, wurde gestern demonstriert. Die erste Voraussetzung dafür wurde schon mal erfüllt, da nahezu alle ESVK-Fans kompakt zusammen gestanden sind.

Ein weiteres Merkmal für einen homogenen Support ist, wenn die Aktiven die ’normalen‘ Fans nicht nur sporadisch, sondern möglichst permanent in die akustische Unterstützung mit einbeziehen können. Auch das war gestern der Fall, denn der Großteil im Gästeblock folgte den Vorgaben des Vorschreiers, was nicht nur akustisch, sondern auch optisch erkennbar war, sei es durch Schalparaden, Sitzeinlagen, hüpfen oder einfach nur alle zusammen die Hände in die Höhe zum Einklatschen.

Trotz dessen, dass Kaufbeuren Bietigheim nicht (mehr) mag, und somit eben zwischen beiden Lagern seit einigen Jahren nicht das beste Verhältnis besteht, so muss man dennoch objektiv und neidlos anerkennen, dass dort – wie schon erwähnt – ein guter Job in der Fanszene gemacht wird. Gestern sogar ohne Gepöbel. Und Ausfallerscheinungen gab es auch nicht, sodass die hiesigen Staatshüter prima Eishockey schauen konnten und jeder nach dem Spiel einfach seines Weges ging und gut war. (IPA)

2018 [Ice-Hawks Bietigheim]