Im Gästeblog: Heulbronx 13.03.18

Eins sollte vorweggenommen werden: Je nachdem, wie man sich emotional auf solch ein Spiel einlässt, kann die Betrachtungsweise der Leistungen oder Geschehnisse auf und neben dem Eis unterschiedlich ausfallen. Meine Ansprüche an dieses allererste Play-Offs-Derby gegen die Heulbronner überhaupt hielt sich im Vorfeld deutlich in Grenzen.

Im Gegensatz zu den Punktspielen war heute schon 90 Minuten vor dem ersten Puckeinwurf Hallenöffnung angesagt, da mit über 3.000 Zuschauern zu rechnen war. Am Ende waren es dann doch eher enttäuschende 3.155 Zuschauer die den Weg in die ElendTrans Arena gefunden hatten. Das Stadion wurde aufgrund des Sicherheitsrisikos in drei getrennte Bereiche unterteilt. So mussten alle Gästefans den Nordeingang benutzen, um in ihren separat abgesperrten Bereich zu kommen. Ebenso mussten alle Karteninhaber der Gegentribüne den Nordeingang benutzen. Ein Umrunden im Inneren der Arena, war somit nur auf dem Eis möglich, da der Heimblock ja sowieso nur mit Zugangskontrolle betreten werden darf.

Der Gästeblock war zu 2/3 für die HEC-Anhänger abgetrennt und diese Fläche füllten die geschätzten 450 Unterländer auch halbwegs aus. Im angrenzenden Sitzplatzbereich saßen noch weitere ca. 130 Untermenschen, sodass ich die Gästezahl auf ca. 600 festlegen würde. Eine wirklich respektable Leistung für einen Dienstagabend. Optisch wurde mal wieder richtig Gas gegeben. Acht bis neun bemalte Lappen befleckten das Gästerund und zum Einlauf wurden handgezählte acht Schwenkfahnen gewedelt. Gääähhn…

Auf der gegenüberliegenden Seite gab es eine flächendeckende Fähnchenchoreo zu bestaunen, was den Heilbronnern einmal mehr aufzeigen dürfte, wie erbärmlich sie doch in solchen Dingen sind. Als das Abrollen eines der Choreobanner nicht gleich auf Anhieb funktionierte, wurde dieses Problem von einem Großteil der Nichtsnutze mit einem höhnischen „Ihr seid zu blöd“ Gesinge kommentiert. Manche merken es echt nicht wenn sie sich lächerlich machen.

Apropos lächerlich. Die Stimmung zu Spielbeginn war auf beiden Seiten recht ordentlich, was aber mit zunehmenden Spielverlauf deutlich abnahm. Teilweise war die Mitmachquote bei maximal 50 Aktiven und der Rest glotzte nur Löcher ins Eis. Der Großteil (auf beiden Seiten) war immer nur dann lautstark zu hören, wenn Tore geschossen wurden, oder gegenseitige Schmähgesänge und Beleidigungen angestimmt wurden. Zu Beginn des zweiten Drittels aber waren sich beide Fanlager in Punkto Lautstärke und in der Meinung vereint, als der Wechselgesang „Scheiß DEL, Scheiß DEL“ durch die Arena hallte. Derby und Rivalität hin oder her, Respekt, dass wir alle gemeinsam in dieser Sache die Stimme erheben.

Aufgrund des Spielverlaufes mit abwechselnden Führungen für beide Seiten waren dann die letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit ansatzweise auf Derbyniveau. Auf dem Eis und auf den Rängen wurden die geschonten Kräfte nochmal gebündelt und alles rein gehängt, was noch drin war, um den Sieg zu erkämpfen. Nach 60 Minuten stand es aber 4:4 und nach einer 15-minütigen Pause musste dann die Verlängerung für die Entscheidung sorgen, was für die Verliererseite einen bitteren Dämpfer bedeutete. In den Play-Offs gewinnt nicht immer der Bessere oder Lautere und es gibt auch keine drei Punkte für den Sieger, aber Sieg bleibt Sieg.

Wie wichtig dieser erste Sieg sein wird, oder wie lange diese Derbyserie noch dauern wird, ist nach wie vor vollkommen offen, beide Teams spielten auf Augenhöhe und am Ende entscheidet wohl das Glück wer weiter kommt. Für einen Dienstagabend, an dem es eigentlich sportlich um nichts geht, war dieser Eishockeyabend ganz gut. In Anbetracht aber, dass es das erste Play-Offs-Derby aller Zeiten war, muss man doch eher enttäuscht sein, was da stimmungsmäßig geleistet wurde.

Zumindest gab es vor oder nach dem Spiel keine erwähnenswerten Zwischenfälle, was sich in den nächsten Spielen aber wohl auch noch ändern könnte. Schauen wir mal, was am Freitag in der Bronx auf uns wartet, und was dann kommenden Sonntag der „schwarze Block“ aus Heulbronx bei seiner Mottofahrt mit der DB nach Ludwigsburg Nord so im Gepäck hat. Aber es kann meiner Meinung nach nur besser werden… (MM)

2018 [Ice-Hawks Bietigheim]