Im Gästeblog: Dresden 31.03.19

Und die Party des Meisters geht in die nächste Runde.
Mission Titelverteidigung geht weiter. Die Stielers ziehen nach einem ungefährdeten Sieg gegen die Dräsdner Eismöwen ins Finale der PlayOffs 2018/20 ein. Da staunten die 500 mitgereisten blau-schwarzen Anhänger aus Dresden nicht schlecht, als sie mit ihren vier Fanbussen an der ElendTrans Arena in Bierheim ankamen und zwei Stunden vor Spielbeginn alle Parkplätze belegt waren. Zu ihrem Ärger mussten sie am Hauptbahnhof parken und mit der Straßenbahn die vier Kilometer bis zur Haltestelle Enztal fahren. Dennoch zogen sie (noch) gut gelaunt in einem Pyromarsch mit Fahnen und Trompeten im Gästeblock ein und wurden leider zum zweiten Mal bitter enttäuscht. Denn ihre Mannen waren den Stellers heute gnadenlos unterlegen und die grün, weiß und blauen machten kurzen Prozess und ballerten einen 8:0 Vorsprung im ersten Drittel aufs Eis. Die Konsequenz daraus konnte keiner so richtig glauben, die Gästemannschaft kam zum zweiten Drittel nicht mehr aus der Kabine und saß 20 Minuten später komplett geduscht und umgezogen in ihrem Mannschaftsbus und futterte Pizza, die schon in der zehnten Spielminute bestellt wurde, als Justin Kelly die mittlerweile 5:0 Führung für die Hausherren erzielte.
Somit ein rundum gelungener Eishockey-Nachmittag für die Schwaben, die dadurch auch weiterhin große Chancen haben, als erstes Team der DEL2 ihren Meistertitel zu verteidigen. In Dresden freut man sich dagegen schon in den Eisdielen und in den Freibädern auf viele Gäste im April.
Fortsetzung folgt… Moment April ? Haben wir schon April? Och nee ist heute der 1. April?
April, April.

Beginnen wir also nochmal von vorne, dieses Mal ohne Verarschung aber vielleicht mit ein bisschen Sarkasmus, dafür aber extra ausschweifend und mit anderen Wochenenderlebnissen rund ums Eishockey. Ist ja auch mein erster und letzter Gästeblog in dieser Saison und wer den Schreiberling kennt, der weiß, da darf es ruhig ein bisschen mehr sein.

Spiel sieben in der Play-Off-Serie zwischen den Steelers aus Bietigheim und den Eislöwen aus Dresden stand am heutigen, sonnigen und warmen Sonntag auf dem Plan. Irgendwie duftete es schon vor dem Spiel nach Sommerpause und nehmen wir die Spannung gleich vorweg, nur auf Bietigheimer Seite konnte man den Sommer schon am ganzen Körper spüren. Nur 3.020 Zuschauer fanden an diesem Sonntag den Weg in die EgeTrans Arena um das entscheidende Spiel dieser Viertelfinalserie Live mitzuerleben. Darunter rund 120 Anhänger der Dresdner Eislöwen, etwa 110 im wieder mal gut beflaggten Gästeblock und nochmal etwa zwei Hände voll Leute auf den angrenzenden Sitzplätzen. Mit viel Hingabe wurde das Territorium unter Beschlag genommen und der Großteil der siegeshungrigen Meute versammelte sich im oberen Bereich des Gästeblocks hinter den etlichen Zaunfahnen wie wir sie schon aus den vergangenen drei Play-Off-Auftritten kannten. Unter den Gästen waren wieder etwa 40-50 Umlandfans die eher im Süden der Republik beheimatet sind, aber auch eine stattliche Anzahl aus Sachsen war angereist. Eine größere Anhängerschaft von 44 Fans war sogar mit dem Bus angereist und das nicht mit irgendeinem Bus, sondern mit dem original Mannschaftsbus der Eislöwen GmbH. Dadurch, dass die Mannschaft der Dresdner schon einen Tag zuvor angereist war, der Mannschaftsbus aber noch anderweitig on Tour war, konnte die GmbH den Fans ein einmaliges Geschenk machen und für 35 Euro konnten bis zu 59 Leute im Mannschaftsbus mit ins Schwabenland reisen. Dass es dann „nur“ 44 geworden sind, ist meiner Meinung nach doch ein bisschen enttäuschend. Der Plan war, dass nach Spielende die Busse dann wieder getauscht werden und die Mannschaft in ihrem eigenen Bus nach Hause fährt und die Fans der „normale Bus“ wieder in die Elbauen zurück schaukelt.

Apropos Bus schaukelt und ruckelt. Am Freitag beim Spiel in Dresden mussten die Steelers leider auf den Großteil ihrer Fans verzichten, da der Fanbus durch zwei Buspannen daran gehindert wurde, die Eisarena in Dresden zu erreichen. Zuerst streikte am Rasthof Vogtland nach der Pause der Anlasser und eine zweistündige Zwangspause sowie das Warten auf den Pannendienst verzögerte die Weiterfahrt enorm. Nachdem das Gefährt dann wieder zum Laufen gebracht werden konnte, ging es viel zu spät weiter auf der A72 und A4 Richtung Dresden, mit der dringenden Bitte des Pannendienstes, auf keinen Fall nochmal den Bus AUS zu machen. Etwa 20 km vor Dresden gab es dann aber einen kleinen Stau und nachdem der Stau fast überwunden war, passierte das, was hätte nicht passieren dürfen, der Kutscher würgte beim langsam anfahren den Bus ab und der Motor ruckelte und zuckelte und dann war er wieder mal AUS. Mitten auf der mittleren Fahrspur stand nun der Fanbus der Steelers und nichts ging mehr. Weder an Aussteigen noch an Weiterfahren war zu denken und das Spiel sechs war schon mitten im zweiten Drittel. Dank Mithilfe von einem LKW, der querstehend die zwei Fahrstreifen hinter dem Fanbus absperrte, gelang es den Mitfahrern den Bus doch zu verlassen, um sich hinter der Leitplanke in Sicherheit zu begeben, bis Minuten später ein großes Aufgebot Autos mit blauen Lichtern und Sirenen auf dem Dach die Pannenstelle abgesichert hatte. Irgendwie konnte der tote Bus dann noch auf den Seitenstreifen geschleppt werden und dann war diese Auswärtshinfahrt für die Steelers-Anhänger beendet.

Auf Tablets und Smartphones konnten die leidenden aber trotzdem noch einigermaßen gefassten Steelers-Fans via Livestream auf SprudelTV die enttäuschende Niederlage ihres SCB in Dresden mit anschauen und wurden dann, ohne die Eishalle erreicht zu haben, mit einem Ersatzbus wieder nach Bietigheim kutschiert, wo morgens um kurz nach 5 Uhr diese Irrfahrt ihr Ende fand. Als um halb sechs meine Frau dann ins Bett gekrochen kam, klingelte bei mir schon wieder der Wecker, denn ab 7 Uhr stand der 5. Steelers Fancup auf dem Programm. Etliche Fans aus dem Fanbus dagegen blieben gleich an und in der Eishalle, mussten viele davon doch selber mit aufs Eis, um für die eine oder andere der acht teilnehmenden Fan- und Freizeitmannschaft rund um die Steelers ihre Knochen hinzuhalten.

Und wenn wir schon bei Samstag sind, will ich an dieser Stelle auch noch einen zweiten kurzen Gästeblog im Gästeblog mit einbauen. Denn an jenem Samstag stand noch ein weiteres Highlight mit etlichen Gästefans auf der Tagesordnung: Um 16:30 Uhr fand das entscheidende Finalspiel um die Regionalliga-Meisterschaft Süd-West statt. Der amtierenden Meister, die Steelers Amateure, trat da im dritten Spiel der Best off Drei Serie gegen die Zweibrücken Hornets an. Etwa 1.400 Zuschauer wollten dieses Finale in der EgeTrans Arena sehen. Darunter eine riesige, gelb-schwarze Horde aus Zweibrücken, die mit zwei Fanbussen und duzenden Privatfahrern die knapp 190 Kilometer aus Rheinland-Pfalz angereist waren. Schätzungsweise annähernd 300 Anhänger der Hornets befüllten zwei Drittel des Gästeblocks und einen kompletten Sitzplatzblock auf der Haupttribüne. Mit zwei Trommeln und einigen kleineren Fahnen machten die Gäste über 60 Minuten ordentlich Stimmung. Gefühlt hatten rund 250 davon aber ein gelbes Trikot an, was optisch wiederum ein sehr geiles Bild abgab im Gästeblock. Aber so muss es auch sein, wenn das eigene Team das Spiel des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts hat. Ein überaus spannendes Spiel, mit zwei Teams auf Augenhöhe, gipfelte nach 60 Minuten in einer fünf minütigen Verlängerung und fand den Höhepunkt im Penaltyschießen. Nach jeweils fünf Schützen auf beiden Seiten stand dann immer noch kein Meister fest und weitere 4-5 Anläufe auf jeder Seite mussten gestartet werden, bis endlich der verdiente Sieger fest stand. Mission Titelverteidigung klappt in der Regionalliga Süd-West viel besser als in der DEL2, und auch das mit dem „zu Hause Meister werden“ wurde in Bietigheim endlich mal Realität, denn die Steelers Amateure konnten erfolgreich und unter großem Jubel ihren Titel verteidigen und sind somit alter und neuer Meister.

Einen herzlichen Glückwunsch von meiner Seite, denn auch ich war bei beiden Meistertiteln Live mit dabei. Letztes Jahr in Eppelheim, und dieses Jahr dann mal in Bietigheim im Wohnzimmer Meister zu werden ist schon ein geiles Gefühl. Allergrößten Respekt auch an Zweibrücken und vor allem ihre mitgereisten Anhänger, das war eine richtig gute Performance. Nach der Siegerehrung wurde vor der Arena noch ein wenig gequatscht und die Zweibrücker Fans versammelten sich bei ihren beiden Fanbussen um nach Hause zu fahren. In diesen Minuten traf dann auch schon der anfangs erwähnte Bus der Dresdner Eislöwen an der EgeTrans Arena ein. Mister Knackwurst und Co. konnten aber durch den noch vorherrschenden Andrang vor der Arena leider nicht aussteigen und zogen es vor, doch zuerst ins Hotel zu fahren und dem Trubel somit aus dem Weg zu gehen. Haben wir doch schon am Freitag aus eigener Erfahrung lernen müssen, dass so ein vermeintlicher harter und zäher Eishockeyspieler doch sehr sensibel ist und seine absolute Ruhe braucht auf der Busfahrt oder auch ein bis zwei Tage vor nem Spiel.
Und somit schließt sich auch wieder der kleine schriftliche Abstecher – aus Bietigheimer Sicht erfolgreicheren Teil dieses Wochenendes – im Gegensatz zu dem eher desaströsen aber abzusehenden Rauswurf im Viertelfinale an diesem Sonntag.

Die Dresdner Anhänger gaben das komplette Spiel über gut Gas im Gästeblock. Auch wenn sie nur wenig abwechslungsreiches Liedgut zu präsentieren wussten, so wurde doch gemeinsam und ausdauernd das eigene Team zum verdienten Sieg gepuscht und auch die Trommeln sowie die Fahnen und Schwenker wurden unermüdlich zum Einsatz gebracht, was einen absolut gelungenen Gesamtauftritt im Ellental abgab. Im letzten Drittel wussten dann auch die Hausherren auf dem Eis endlich mal zu überzeugen und kamen zum 2:3 Anschlusstreffer, was im weiten Rund dann endlich auch mal wieder für mehr Spannung und vor allem Stimmung sorgte. Denn nach dem zwischenzeitlichen 1:3 waren fast nur noch die Gäste zu hören. Ab jetzt war es dann auch nochmals kurzzeitig ein richtiges Play-Off-Spiel mit Stimmung und Emotionen auf dem Eis und den Rängen. Doch alles krampfhafte und verzweifelte Anrennen der Steelers wurde nicht belohnt und die schwarze Hartgummischeibe wollte einfach nicht hinter die Linie rutschen. Wir hatten so wenig Glück auf Bietigheimer Seite, dass ein vermeintliches Tor durch den Videobeweis, aufgrund technischer Probleme nicht überprüft werden konnte. Man munkelt, dass es im Videorekorder einen Bandsalat gab. Die Dresdner verteidigten dieses eine Tor Vorsprung bis zur 60. Minute und waren am Ende der verdiente Sieger dieses Viertelfinales gegen den noch amtierenden Meister. Der Jubel im Gästeblock war entsprechend ausgiebig und frenetisch und das Team wurde bis weit nach Spielende ordentlich abgefeiert.

Die enttäuschten Steelers-Akteure wurden stehend K.O. noch von den Steelers-Fans in die Sommerpause verabschiedet, bevor sich dann das Stadion doch sehr schnell und ohne Zwischenfälle gänzlich leerte. Für einige Steelers-Fans und Zuschauer war es wiedermal ein neues Highlight in ihrer kürzeren Eishockeygeschichte, denn viele davon haben so ein Ausscheiden im Viertelfinale einer Play-Off-Serie noch nicht miterleben dürfen. Auch ich kann mich kaum noch daran erinnern, wann wir das letzte Mal vor dem Finale raus geflogen sind. Meister, Vizemeister, Vizemeister, Meister, Vizemeister, Meister, Abstiegsrunde, raus Pre-Play-Offs, Halbfinale, Meister, ah jetzt ja, anno 2007/2008 Steelers raus im Play-Off-Viertelfinale. Leck mich am Socken, was für ne langweilige äähh ich meine erfolgreiche elfjährige Bilanz. Manch ein Fan war damals noch nicht mal auf der Welt oder beklatschte maximal den eigenen Stuhlgang in der Pampers und nicht den Dünnpfiff auf dem Eis.

Über eine Stunde nach Spielende standen immer noch dutzende „Dräääsdner“ vor ihrem Mannschaftsbus und bejubelten mit Fahnen und lautstarkem Gesang diesen grandiosen Sieg ihrer Lieblinge. Der Fanbus der Dresdner dagegen machte sich dann auf den Weg Richtung Heimat. Ich hoffe, dass alle eine entspannte und glückliche Heimreise hatten und wieder gut in Elbflorenz angekommen sind. Des Weiteren kann man allen Dresdnern nur Glück fürs Halbfinale gegen die anderen Löwen aus Mainhattan wünschen. Verdient ist es allemal. Und dabei hätte alles schon schön werden können, wenn die Heulbronner nicht so doof gewesen wären und gegen Dresden die Pre-Play-Offs gewonnen hätten, dann hätten wir ein krasses Derby Viertelfinale zelebrieren dürfen und dann vielleicht danach Südschlager gegen Ravensburg und dann im Finale Frankfurter Würstchen mit Äppler vernichten… das wäre was gewesen. Aber so hat Dresden alles kaputt gemacht mit ihrer tollen und kämpferischen Einstellung und ihrem unbändigen Willen, unbedingt gewinnen zu wollen. Pfui, schämt Euch! :-)

Manchmal kommt es eben anders als erträumt, überall wo es Gewinner gibt, stehen auf der anderen Seite Verlierer und ich denke, dass wir ein verdienter aber fairer Verlierer sind und daher nochmal größten Respekt nach Dresden und weiterhin eine erfolgreiche Saison bis zum Meistertitel, dass wir wenigstens sagen können, dass wir gegen den zukünftigen Meister ausgeschieden sind. Sodele, zum Schluss selber immer alles bissle schön reden. Für die Steelers-Anhänger gibt es ja noch Tante Google, da kann man ab heute oder besser ab Mittwoch dann mal googeln, was man so im April alles machen kann, außer Eishockey zu schauen. Denn das ist, wie vorher schon aufgezählt, schon lange nicht mehr vorgekommen, dass man im April NICHT alle zwei bis drei Tage seinem Lieblingshobby nachgehen kann/darf/muss. In diesem Sinne, wir sehen uns dann wohl in der Eisdiele oder im Freibad, oder wie mir mein Google gerade die Top vier verraten hat: Gartenarbeit, jemand in den April schicken, Ostereier bemalen oder einen Städtetrip planen… einen Städtetrip planen?
Leck mich Tante Google, das wird ein scheiß April. (MM)

2019 [Ice-Hawks Bietigheim]