Im Gästeblog: Deggendorf 14.09.18

Endlich wieder ein neues „Gesicht“ in der Liga! Deggendorf ist nicht nur neu in der DEL2, sondern spielte noch nie in seiner Vereinsgeschichte in der zweithöchsten Spielklasse. Somit kann man dem Eishockeyverein aus der niederbayerischen Stadt (33.000 Einwohner) an der Donau nur zum gewagten Schritt des Aufstiegs beglückwünschen, so muss es sein, das zeichnet einen geregelten Auf- & Abstieg aus, auch wenn der sportliche Höhenflug in der letzten Saison noch so überraschend war.

Doch bevor unser Gästeblog seinem Namen gerecht wird, und wir uns den Gästefans widmen, möchten wir an dieser Stelle den Sinn und die Vorgehensweise dieser Rubrik nochmals erläutern, einerseits weil wir es eben gestern Abend mit einem Liganeuling zu tun hatten, und sie somit bis dato noch keine Berührungspunkte mit dem Gästeblog hatten, und andererseits, weil eben auch manch Fan von den anderen Standorten gerne vergisst, worum es hierbei geht:

Es geht nämlich ausschließlich und allein um die Gästefans! Es soll überhaupt keine Rolle spielen, wie unsere Heimkurve bzw. der gesamte SCB-Anhang beim jeweiligen Heimspiel aufgelegt war. Es ist vollkommen egal, wie die Stimmung, das optische Auftreten von uns Grün-Weiß-Blauen war! Wir maßen uns nicht an, das wöchentlich zu beurteilen, das dürfen gerne die Fanszenen der anderen 13 Vereine der Liga übernehmen. Wir möchten mit dem Gästeblog den Gästefans, die weder Kosten noch Mühen scheuen, um nach Bietigheim-Bissingen zu reisen, um ihr Team zu unterstützen, aber vielleicht auch den gegnerischen Standort kennen zu lernen, eine Plattform geben!

Jeder Fan eines Vereins, der nicht nur die Heimspiele besucht, hat Respekt und Anerkennung verdient, besonders im Eishockey, wo man ja jedes Wochenende zwei Spiele und somit eine deutlich höhere „Belastung“ hat, als z.B. Fußballfans. Wir wollen diesen Einsatz mit dem Gästeblog würdigen, indem wir über das Auftreten der jeweiligen Gästefans in unserer Eishalle berichten. Möglichst objektiv, was zugegeben nicht immer zu 100% klappt, aber gerne auch mal etwas provokant, besonders dann, wenn im Gästebereich tote Hose ist. Diese Berichterstattung findet vollkommen unabhängig davon statt, was – wie schon geschrieben – die Heimfans veranstalten, und hat auch überhaupt nichts mit unseren eigenen Auftritten in der Fremde zu tun, die – nebenbei bemerkt – selbstredend auch nicht immer der Hit sind, ja, leider sogar immer öfter schwach sind! Aber das spielt eben im hiesigen Gästeblog keine Rolle.

So, genug der einleitenden und erklärenden Worte. Nach nahezu 20 Jahren (!) war am gestrigen Abend endlich wieder der Deggendorfer SC zu Gast im Ellental. Bedingt durch den überraschenden Aufstieg ist in Deggendorf eine große Euphorie ausgebrochen. Bester Beweis dafür: Statt 260 Dauerkarten in der letzten Spielzeit konnte man für die neue Runde die respektable Anzahl von gut 1.100 Saisontickets verkaufen. Dieser Freudentaumel überträgt sich häufig auch auf das erste Punktspiel-Wochenende, und so war man gespannt, was sich alles auf den 350 km langen Weg nach Bietigheim machen würde.

Als gegen 19:40 Uhr (hätte man auch im Vorfeld ankündigen können, vielleicht wären dann ein paar Leute früher in die Halle gekommen…) das Eröffnungsprimborium der Liga begann, war der Gästeblock lediglich mit 15 Leuten bestückt. Wohl wissend, dass ein ausgebuchter Doppeldecker-Bus unterwegs war, sollte sich dieser Zustand aber in den nächsten Augenblicken ändern, denn die besagten Busfahrer enterten geschlossen und singend den rechten Teil des J-Blocks und crashten gleich mal die Rede von Rene Rudorisch.

Während der über zehnminütigen Prozedur sangen die ziemlich kompakt stehenden Gästefans komplett durch. Ob man das so machen muss, erst recht als Aufsteiger in eine höhere und neue Liga, darf jeder für sich selbst entscheiden. Einerseits kann einem das Gerede von Offiziellen am Allerwertesten vorbeigehen, gerade bei einer längeren Auswärtsfahrt hat man ja gerne eine etwas andere Wahrnehmung, aber anderseits könnte man sich ja auch mal anhören, was die Herren da auf dem Eis so zu erzählen haben. Der Vorschreier der DSC’ler hatte daran aber scheinbar wenig Interesse und heizte die Meute immer weiter an. Sei’s drum, jeder, wie er meint…

Zum eigentlichen Einlauf der Teams kurz vor Acht wurde von Seiten der insgesamt ca. 120 Gäste nichts unternommen. Ebenso kamen während der gesamten 60 Minuten keine optischen Hilfsmittel zur Unterstützung des Supports zum Einsatz. Vielleicht hat man ja vor lauter Glücksgefühl das ganze Material daheim vergessen, wir wissen es nicht, kennen auch (noch) niemand aus Deggendorf und haben ja auch keinen Vergleich aus den letzten Jahren. Sah auf jeden Fall ziemlich trist aus.

Der Support, gestützt von einer Trommel, war dafür aber über weite Strecken des Spiels sehr ordentlich. Er flachte zwar nach der Anfangseuphorie ab, flammte aber trotz deutlicher Unterlegenheit im ersten Drittel immer wieder auf, wofür auch der bereits erwähnte und emsige Vorschreier sorgte, indem er den Leuten immer wieder mal vor Augen führte, dass man sich vom Spielstand nicht einlullen lassen sollte, und gefälligst feiern/supporten sollte.

Den Höhepunkt erreichte die Stimmung der Gästefans ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als das Spiel schon vermeintlich entschieden war, nämlich fünf Minuten vor Schluss, als beim Stand von 4:0 der erste Treffer des DSC in der zweithöchsten Spielklasse fiel, und die Mitgereisten diesen fast wie eine Meisterschaft feierten. Und nach dem 4:2 kam dann die letzten 75 Sekunden sogar sowas wie Spannung auf, was dem Gästemob nochmals zusätzlich Antrieb gab.

Doch der schönste Moment des gestrigen Abends war eindeutig nach Spielende, als Justin Kelly vom gesamten Publikum (und seinen ehemaligen Mannschaftskameraden!) mit stehenden Ovationen minutenlang für seine Verdienste gefeiert wurde. In diese Feierlichkeiten reihten sich die DSC-Fans dann ganz unkompliziert mit ein, und ließen ihren neuen Star mit Gesängen ebenfalls hochleben. Das war ein ganz besonderer Moment, und unsere alte und Deggendorfs neue Nummer 27 hatte Pipi in den Augen.

Anschließend feierte noch ein Teil der Gästefans weiter unbeirrt ihr Team und vornehmlich auch sich selbst, denn dieses kam – soweit ich das mitbekommen hatte – nicht mehr aus der Kabine. Insgesamt ein also ein guter Auftritt des Aufsteigers beim amtierenden Meister ohne bekannte mir Zwischenfälle, weiter so! Beim nächsten Spiel dürft ihr dann ruhig über die „Deggendorf“ & „Waldkirchen“-Banner hinaus auch noch etwas mehr für die Optik mit einpacken. (IPA)

2018 [Ice-Hawks Bietigheim]