Im Gästeblog: Crimmitschau 16.02.20

Nach so einem scheiß Spiel unsererseits hast eigentlich überhaupt keinen Bock auch nur eine Zeile hier zu verfassen. Es ist schon grotesk, wenn die gestrige (durchaus zu erwartende) Niederlage meines Fußball-Herzensvereins trotz 0:3-Rückstand nach zwölf Minuten gegen den Ligaprimus niedriger ausfällt, als die durchaus nicht zu erwartende Niederlage der Steelers gegen das Tabellenschlusslicht aus Crimmitschau…

Aber was soll’s, all das jammern nützt ja nix und würde auch nicht dem Auftritt der zahlreichen Gästefans gerecht werden, das wirklich einzig Positive am gestrigen Sonntag! Aber wie kam es überhaupt, dass in Summe 160 (!!) Westsachsen den Weg ins Ellental fanden, eine absolut nicht alltägliche Zahl, weder für Crimmitschau, noch für über 400 km einfache Strecke noch für einen Letztplatzierten.

Ja, nicht unerheblichen Anteil an diesem Auflauf hatte auch unser hiesiger „Gästeblog“, denn die organisierten Fans in der „Heinekurve“ des Sahnparks bedienten sich für die weit gestreute Buswerbung eines Zitates aus unserer alteingesessenen Rubrik, die da im November 2018 lautete: „[…]Ich kann mich eigentlich nicht daran erinnern, dass jemals ein großer Bus aus Crimme bei uns vorgefahren ist“[…]!

Zugegeben, da musste der Verfasser dieser Zeilen schon ordentlich schmunzeln… Aber die Wirkung blieb tatsächlich nicht aus, denn zusammen mit dem Effekt eines sehr knackigen Preises von 25.- Euro inkl. Fanartikel (zu dem später mehr), sowie dass man die „Kurvenkinder“ den Bus organisieren ließ, füllte sich das erste Gefährt ruck-zuck.

Die besagten „Kurvenkinder“ sind übrigens sieben Kids im Alter von 11-13 Jahren und Nachwuchs aus den Reihen der „Kultras“ bzw. deren Umfeld, und haben somit ihre eigene Gruppierung, natürlich auch mit eigenem Banner. Tolle Sache und nachdem auch die Eispiraten diese nette Idee noch publizierten, konnte sogar ein zweiter Bus fast komplett gefüllt nach Württemberg geschickt werden.

Die knapp 100 Busfahrer trafen dann auch eine Stunde vor Spielbeginn im Ellental ein, und das ohne von der hiesigen Staatsmacht eskortiert zu werden. Überhaupt war jene Staatsmacht beim gestrigen Spiel mal so gar nicht präsent. Gut so, gebraucht und vermisst hatte sie sicherlich niemand.

Das Motto der Gästefans „alle in weiß nach Bietigheim“ wurde auch sehr ordentlich umgesetzt, wobei viele ETC’ler das kürzlich von der Fanszene kreierte T-Shirt an hatten, welches bei den letzten beiden Heimspielen für 19,27 € (Gründungsjahr des ETC) verkauft wurde, und der komplette Erlös an die Eispiraten geht, um ein wenig die Verluste aufgrund der schlechten Zuschauerzahlen bedingt durch das schwache sportliche Abschneiden bis dato zu kompensieren.

Darüber hinaus trug noch die Besatzung des ersten Busses den bereits erwähnten „Fanartikel“, nämlich ein rot-weißer Fischerhut mit dem Aufruck „Heinekurve“. Da man ursprünglich nicht mit zwei Bussen rechnete, gingen die später angemeldeten Mitfahrer hier allerdings leer aus. Ebenso wie die gut 60 ‚Exilanten‘, die den Weg aus Süddeutschland an die Enz angetreten hatten.

Und das mit dem T-Shirt machte schon so richtig Sinn. Denn um 15:00 Uhr hatte es (wohlgemerkt Mitte Februar) genau 20°C in Bietigheim-Bissingen! Und in der (Eis)Halle war es nicht wirklich kälter. Relativ warm ist es bei uns ja eh immer, aber wenn dann samstags noch ein Handballspiel war, dann ist es immer noch ein paar Grad wärmer, da deren Besucher sonst bei der Spielverfolgung so arg frieren müssen. Also ein perfekter Rahmen für die Mottofahrt der Crimmitschauer!

Wie erwartet wurde das Spiel dann im Gästeblock mit einer optischen Aktion eingeläutet und so wurden weiße und rote Folienfahnen zum Einlauf der Teams geschwenkt, sowie dazu ein ca. 2×2 Meter Banner der erwähnten Kurvenkinder hochgezogen. Sehr schön, so soll es sein! Zum zweiten Drittel gab es dann noch ein Doppelhalter-Intro zu sehen, sodass in Kombination mit den drei über das komplette Spiel (bzw. in dessen Unterbrechungen) eingesetzten großen Schwenkfahnen in Sachen Optik heute die volle Punktzahl vergeben werden konnte.

Und auch der Support ließ wenig Wünsche offen. Mit Vorschreier Norman (aber ohne Megaphone) und zwei Trommeln wurde der ungewöhnlich große Gäste-Mob dirigiert und meistens sehr gut in die teils sehr ausdauernden Gesänge einbezogen. Tja, und wer nach 20 Minuten bereits mit 3:0 in Führung liegt, dem gehen die Lieder eben auch leichter und lauter über die Lippen, als wenn man 3:0 in Rückstand ist. Und so hatten die Sachsen über nahezu 60 Minuten ein Heimspiel in Bietigheim.

Und natürlich durften auch diverse Einlagen wie gemeinsames schunkeln, hüpfen und hinsetzen ebenso wenig fehlen wie eine Schalparade und zum Schluss ausgiebiges Feiern mit dem Team, welches auch nochmals lautstark aus der Kabine geholt wurde. Einige zogen auch noch blank, was aufgrund mangelnder Ästhetik eigentlich wieder Abzüge bei den vollen Punkten in Sachen Optik geben sollte…

… Aber wir wollen ja mal nicht so sein, denn erstens machte auch ein weiblicher Fan mit, und zweitens war der gesamte Auftritt so positiv und sympathisch, dass die wohlgenährten Bäuche einfach wieder aus dem Gedächtnis gestrichen wurden. Somit Glückwunsch zum Sieg und prima Auftritt an die „Kurvenkinder“, „Kultras“, „Red Action Crimmitschau“, „Reisegruppe Immervoll“, die „Goons“ aus dem Ländle sowie alle anderen Gästefans! Ihr seid zwar noch immer Letzter, aber SO haltet ihr sicher die Liga! (IPA)

2020 [Ice-Hawks Bietigheim]