Im Gästeblog: Bayreuth 22.09.19

Ein sonniger, warmer Sonntag im September. Vielleicht aber sogar (noch) zu warm für viele Freunde der Kufensports. Lediglich 2.106 Zuschauer fanden den Weg in die Ellental Arena oder Neudeutsch ElendTrans Arena. Viele Gästefans aus der Käsestadt am Roten Main waren daher nicht unbedingt zu erwarten. Nach drei ganz schwachen Auftritten in den letzten vier Spielen gab es am 01.03.19 wenigstens einen kleinen Aufwärtstrend, als immerhin 55 Gelb-Schwarze den Weg an die Enz antraten.

An diesem Sonntag wollten lediglich 23 Bayreuther ihre Tiger spielen sehen. Ohne Fahnen und ohne Banner, aber dafür mit einer kleinen Trommel waren sie die 280 km angereist. Fast alle fanden sich im oberen Teil des Gästeblocks ein und prüften die paar Wellenbrecher auf ihre Standfestigkeit. Obwohl der Spielverlauf lange offen war, konnten sich die paar Wenigen so gut wie nie dazu motivieren, Stimmung zu machen. Lediglich ein paar „Bayreuth, Bayreuth“ Schlachtrufe wurden zum Besten gegeben. Zu Spielbeginn wurde noch ein sarkastisches „Bayreuther Arschl…“ gesungen. Auf was sich das wiederum bezog entzieht sich meiner Kenntnis und ich wollte auch nicht weiter nachfragen, war wohl einfach nur so um sich warm zu singen.

Zu den 23 Gästefans gesellten sich noch weiter 10 Eishockeyfans aus dem Umland von Bierheim. Von Stuttgart über Heilbronn, Weißwasser, Frankfurt und auch aus Bietigheim unterstützten Eishockeyliebhaber und Bayreuth-Sympathisanten die 23 Oberfranken. Sodass die Anzahl auf ca. 30 Gästblockbewunderer anstieg und zumindest optisch den schwachen Besuch etwas aufwertete. Diese besagten Besucher waren aber wohl eher aus langjährigen Freundschaften zu einigen Fans der „Ostkurve Bayreuth“ gekommen, zu denen wir Ice-Hawks auch schon seit mehreren Jahrzehnten eine sehr innige Fanfreundschaft pflegen. So waren besagte Ostkurvler mit einem 9er Bus angereist und es gab schon vor dem Spiel ein freudiges Wiedersehen in der Stadionkneipe „Iglu“, unserer alt, ehrwürdigen Trainingshalle. Es ist immer wieder erstaunlich, wie ausdauernd langjährige Freundschaften bei vielen älteren Eishockeyfans doch sein können. Aber da sind WIR wohl eine aussterbende Rasse. Wer weiß, was die Zukunft so bringt, und wie sich die meisten Fanszenen entwickeln, sofern es überhaupt noch gefestigte und geschlossene Fanszenen gibt.

In Bayreuth scheint diese Liebe zum Verein momentan nur noch im kleinen Rahmen weitergelebt zu werden, nachdem ein Großteil der aktiven Fanszene ausgeschlossen wurde oder beleidigt den Abgang machte. Aber so ist eben die neue ultraorientierte bedingungslose Vereinsliebe, sobald bissle Gegenwind kommt, den man zum Teil selbst verursacht, zieht man beleidigt den Schwanz ein. Das ist aber ein generelles Problem und hat jetzt nicht unbedingt nur was mit Bayreuth zu tun.

Nachdem im zweiten und letzten Drittel das Spiel zu Gunsten des Heimteams kippte, wurden die letzten zaghaften Bemühungen, sich aufs Spiel zu konzentrieren, gänzlich eingestellt und man war aber immerhin noch damit beschäftigt, einen netten Nachmittag unter Gleichgesinnten zu verbringen. Nach Spielende bedankten sich die Tigerchen noch bei ihren Anhängern und es wurde umgehend die Heimreise angetreten. Ich hoffe, dass alle wohlbehalten wieder zu Hause angekommen sind, wo auch immer dieses Zuhause sein mag. Denn es gibt wichtigeres wie Sieg und Niederlage, vor allem wenn die Saison noch so jung, und die goldene Ananas noch soooo weit entfernt ist. (MM)

2019 [Ice-Hawks Bietigheim]