Im Gästeblog: Heulbronx 23.03.18

Spiel 5 der Serie stand am gestrigen Freitagabend an. Für uns galt nach dem nervenaufreibenden Spiel vom Dienstag – egal wie – den Sack zuzumachen! Dass ist nun mal das Bietigheimer Anspruchsdenken nach fünf Finalteilnahmen in Folge, da wird auch keine Rücksicht darauf genommen, ob Derbys eventuell ihre eigenen Gesetze haben…

Im Unterland sieht die Sachlage da schon ganz anders aus. Mit dem Erreichen der (Pre)Play-Offs hat man nach katastrophalen Vorjahren schon mehr erreicht, als viele erhofft hatten, und man kann frei aufspielen. Jedes Spiel, jeder Sieg ist ein neuerliches, aufgesetztes Sahnehäubchen auf die Saison 2017/2018.

Dennoch verzichteten einige HEC-Fans nach der knappen Niederlage vom Dienstag auf die kurze Reise ins Ellental. Auf den Sitzplätzen blieben einige Schalen frei, die noch letzten Sonntag von Gästefans belegt worden sind. Die Kurve war zahlenmäßig mit 400 Leuten nahezu gleich gefüllt, wie vor fünf Tagen. Zusammen ergibt das für den gestrigen Abend runde 600 HEC’ler.

Im Gästesektor herrschte ungewohnte Betriebsamkeit vor dem Spiel. Auf einmal tauchte Baustellenband auf! Was? Die werden doch wohl nicht etwa? Und siehe da, man mochte es kaum für möglich halten, aber die Szene aus Heulbronx hatte doch tatsächlich eine Choreo auf die Reihe bekommen. Und es waren wirklich nicht die – von diversen Heimspielen – bekannten Folienbahnen, die zum Einsatz kamen.

Spötter behaupten zwar, dass sie die besagten Folien jetzt zerschnitten hätten, um nach fünf Jahren mal was Neues auszuprobieren, aber aus solchen Spekulationen halten wir uns natürlich raus, und loben ausdrücklich das fertige Produkt: Nämlich die drei Vereinsfarben rot, weiß und blau diagonal angeordnet mit hochgehaltenen Folienblättern, ergänzt um neun Doppelhalter davor, die in den identischen Farben den Schriftzug „Heilbronn“ ergaben. Das war für Heulbronx und ein Auswärtsspiel schon sehr ordentlich!

In Sachen Support konnten die Gäste am gestrigen Abend über weite Strecken absolut überzeugen; ganz im Gegensatz zum letzten Gastspiel. Und je länger das Spiel lief, und je deutlicher der Spielstand war, desto lauter, euphorischer und ausgelassener gestaltete sich die Stimmung im J-Block und dem angrenzenden Sitzplatzbereich I. Das hatte schon ziemlich viel von das Team und sich selbst zum Saisonausklang nochmals gebührend feiern.

Man konnte fast den Eindruck gewinnen, dass die beiden plötzlichen Anschlusstreffer für das eigene Team da eher ein Hindernis waren, denn dadurch kam neuerliche Spannung auf, die bei einigen Gästen eher den Stimmungsmotor stottern ließ. Aber nicht lange, denn nach dem 4:2 konnte man wieder unbekümmert weiter die Sommerpause zelebrieren.

Und das aber ausdrücklich in imponierender Manier: Es machte wirklich so gut wie jeder der 600 Gäste mit! Ja, auch die auf den Sitzplätzen, welche durch zahlreiche Wechselgesänge sowie Sitz- & Hüpfeinlagen auch sehr gut von der Gästekurve mit eingebunden wurden. Da hatte die Heimkurve erstmals seit sehr langer Zeit in einem Derby ernsthafte Probleme gegen anzusingen!

Da wären wir eben wieder bei der eingangs erwähnten Erwartungshaltung… Die einen heilfroh, dem bestens bekannten Damoklesschwert „Abstiegsrunde“ entgangen zu sein, und die anderen eben zum Erfolg verdammt. Nicht wenige im Bietigheimer Lager hätten sich zur Abwechslung mal ein Aus im Viertelfinale gewünscht, damit die Leute mal wieder ‚runter kommen‘. Aber ausgerechnet gegen den Erzrivalen? Das geht definitiv nicht, und trat auch nicht ein, und das ist auch gut so!!

Doch zurück zu den Gästen. Diese feierten ihr Team auch noch lange nach Spielende weiter, einige Cracks begaben sich noch ein zweites Mal zurück aufs Eis, um den verbliebene Fans kurz vor halb elf nochmals zu danken. Also insgesamt war das ein sehr überzeugender Auftritt, das muss man neidlos anerkennen. Wenn sich jetzt noch einige Gäste-Spacken auf den Sitzplätzen besser im Griff gehabt hätten, könnte man von einer rundum gelungenen Gäste-Präsenz schreiben.

Überhaupt muss man sagen, dass sich die Spieler trotz aller Derbyrivalität vom großen Teil der jeweils gegnerischen Fans auch ordentlich Applaus abholten, da wurde auf beiden Seiten die Leistung der Cracks durchaus gewürdigt. Ok, Schauspieler Ross durfte ja vorzeitig duschen gehen und war daher eh außen vor, was sicherlich nicht unbedeutend war.

Für den HEC ging es mit Verlassen unserer Spielstätte schnurstracks aber sicherlich dennoch zufrieden in die Sommerpause. Für ein Derby war es eine überraschend angenehme Play-Off-Serie, wie ich finde. Da hatte man im Vorfeld sowohl auf dem Eis, als auch auf den Rängen bzw. Drumherum mit Schlimmeren gerechnet. Und trotz zahlreicher Prophezeiungen seitens der diverser Herrschaften ist die Welt nicht untergegangen, und die Erde dreht sich tatsächlich weiter! (IPA)

2018 [Ice-Hawks Bietigheim]